Zumutung?

KursxSchon der Umfang ist eine Zumutung: weit über tausend Seiten stark ist dieses Buch, das – und das ist die nächste Zumutung – „Ein Kurs in Wundern“ (Greuthof-Verlag) heißt und dessen Text in den 1970ern über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg von einer gewissen Helen Schucman aufgezeichnet wurde, die – es wird nicht besser mit den Zumutungen – behauptete, sie habe nur aufgeschrieben, was Jesus selbst ihr diktiert habe.

Das Buch wurde jedenfalls gedruckt und verbreitete sich rasch zunächst im englischsprachigen Raum. Es wurde bald klar, dass damit eine Menge Geld zu verdienen war, und sofort begannen die Auseinandersetzungen – bis hin zu kriegsähnlichen Zuständen – um die Urheberrechtsfrage und über die Frage der Autorenschaft: wer hat’s denn jetzt nun wirklich geschrieben und vor allem: wer darf’s verkaufen? –

Interessant, nicht? Ich habe noch kein Wort über den Inhalt gesagt und schon vom Krieg um Besitzrechte gesprochen. Macht man viel falsch, wenn man sagt: „So ist der Mensch!“? So sind wir doch: wir wollen haben, haben, haben, bis zum Erbrechen haben: Gesundheit, Glück, Geld, Bedeutung, Anerkennung, einen Namen und zuinnerst, im Geheimen, da, wo endgültig niemand mehr vorgelassen werden soll, der unsere Rechte in Frage stellen könnte, da wollen wir uns der Liebe selbst bemächtigen, wollen auch sie: haben.

An uns, die Habenwollenden, wendet sich dieser Kurs – und gibt eben das, was nicht zu haben und dennoch unser höchstes Gut ist. Das jedenfalls war der erste Eindruck, den ich hatte beim Hineinlesen, bei der ersten Begegnung: beschenkt zu werden, ohne Forderung, ohne dass eine Gegenleistung verlangt wurde, bedingungslos.

So habe ich dieses Buch gelesen, so glaube ich sein Anliegen verstanden zu haben und so erfahre ich die Kraft, die von der zentralen Übung ausgeht, die uns dieser Kurs ans Herz legt. Er legt uns nahe, Vergebung des allgegenwärtigen Schuldgedankens zu üben, der sich eingeschlichen hat in unsere Weltsicht, bei näherem Hinsehen: der unser gesamtes Denken über uns und diese Welt im wahrsten Sinne des Wortes entscheidend motiviert und trägt. Entschieden scheint „von Natur aus“ zu sein, dass „Leben“ bedeute, getrennt voneinander zu sein und damit auch getrennt von dem, was als unsere Wahrheit gelassen und unerschütterlich ewig sie selbst bleibt: von Gott. Die „selbstverständliche“ Konsequenz dieser Auffassung von „Leben“ ist die, dass es mit dem Tod enden muss. Der Kurs hält dieser traurigen Antwort auf all unsere Fragen den unfassbaren, aufrüttelnden Satz entgegen: „Die Welt wird nicht durch den Tod, sondern durch die Wahrheit verlassen.“

Es ist mir nicht wichtig, wer das Buch gerade verkaufen darf. Der es geschrieben hat, zeigt sich mir in dem, was ich lese, ich muss den Autor nicht mit einem Namen verbinden, irgendwie würde mich das sogar stören. Die viel spannendere Frage für mich ist: bleibt mir der erste Eindruck erhalten, begegne ich da wirklich „Jemandem“, der nicht von der eigenen Überlegenheit, vom eigenen Besserwissen, von seinem eigenen persönlichen Wertesystem überzeugen will, sondern von einer Wahrheit, die unsere Wahrheit ist und eine ewige, unpersönliche, für alles Leben gleichermaßen gültige? Inzwischen, nach über zwanzig Jahren, in denen mich dieser Kurs in Wundern begleitet hat, habe ich daran keinen Zweifel mehr.

Er beginnt, – und das scheint schon wieder eine Zumutung zu sein – mit einem Satz , den man reflexhaft abwehren will, wenn man ihn zum ersten Mal hört, der aber dennoch zu einem meiner Lieblingssätze geworden ist, weil in ihm bereits alles gesagt ist: „Dieser Kurs ist ein Pflichtkurs“.

Es ist alles gesagt: Es geht hier nur um eine spezielle Form des allgegenwärtigen Kurses, des KURSES, den wir alle schon immer durchlaufen, es geht um die Alternative zu dem nach allem Habbaren süchtigen Ego: um des Menschen Selbst, das gar nicht anders kann als diesem seinem Kurs zu folgen, weil es seiner Quelle nicht nur treu bleiben muss, sondern auch will, diese Art „Pflicht“ ist gemeint.

Vom ersten Schrei in dieser Welt an laufen wir schon los, in eine Richtung, die vorgegeben, letztlich unvermeidbar ist, auch wenn wir noch so oft versuchen, abzubiegen, laufen los und kommen an, irgendwann, aber ganz sicher: in der Wahrheit.

In welcher Form wir diesen Kurs machen, als Kind oder Greis, als Atheist oder religiös Organisierter, als Bösewicht oder Gutmensch, als Angeklagter oder Anwalt, Patient oder Arzt, Leidender oder Genießer, ob wir ein Lehrsystem, eine Meditationsmethode, ein spezielles Glaubenskonzept oder nichts davon zu Hilfe nehmen, also auch: ob wir dieses Buch jemals lesen oder nicht: wir durchlaufen den Kurs, und wenn es auf den Umwegen und Sackgassen der Anfeindungen von Denk- und Glaubensrichtungen Anderer ist: letztlich sind auch das nur Stationen derselben Reise!

Und so bekommt dieser Satz für mich einen ganz anderen Sinn als den, den sein anmaßendes Äußeres im ersten Moment vermuten lässt: „Dieser Kurs ist ein Pflichtkurs“.

Das Kursbuch ist für mich eins der Wunder, die man in dieser Welt erleben kann, wenn man die Augen für sie öffnet: Zeugen des Weges, die von dem Ort sprechen, an dem wir uns alle zusammenfinden werden, nicht einst, sondern JETZT, in der GEGENWART der Erinnerung an unsere Ungetrenntheit, unser Einssein.
Sollte ich den Kurs in zwei Sätzen zusammenfassen, würde ich es so tun:
Die LIEBE kennt keine Dunkelheit. Es ist nur ein kleiner, korrigierbarer Fehler in unserem Denken, zu glauben, dies bedeute, SIE kenne UNS nicht.

Mir ist nie etwas Gütigeres, Liebevolleres, und dabei seines Selbstes Sichereres begegnet als dieser Kurs in Wundern. In gewisser Weise ist er in der Tat eine arge Zumutung, weil er das gesamte Denken über den Sinn unseres Hierseins in Frage stellt, aber schließlich muss man ja doch auf diese oder jene Weise Antwort geben auf die Frage, was man hier eigentlich wolle. Das Provozierende des Kurses ist, dass er behauptet, es zu wissen. Zu entscheiden, ob wir sein Anliegen als das unsere betrachten wollen, ist uns zugemutet.

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PS:

Als wunderbar gelungene Einführung in die Kurstheorie empfehle ich wärmstens das Buch von Katja Bode „Abenteuer grundlos glücklich“. Im Praxis-Teil schildert sie sehr eindrucksvoll ihre eigene Reise mit dem Kurs durch den Alltag und ihr Leben. Das Buch ist für mein Dafürhalten ein Glücksfall, nicht nur für Einsteiger, auch Kritiker des Kurses oder Interessierte, die einfach nur mal wissen wollen, was drinsteht in dem dicken blauen Buch, treffen hier auf eine sehr umfassende, ausgewogene und schön lesbare Darstellung. Und alte Kurshasen nehmen jede Menge neue Inspiration aus der Lektüre mit.

Meine Rezension zu dem Buch:

https://luftzumathmen.wordpress.com/2016/10/18/abenteuer-grundlos-gluecklich-von-katja-bode-rezension/

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Ebenfalls  zu empfehlen die Videos, Webinare und Seminare von Andreas Pröhl, der sich das Lehren des Kurses aus Berufung zum Beruf gemacht hat und bei dem Intelligenz, Sprachvermögen und Inspiration aufs Schönste zusammenkommen, so dass ihm zuzuhören zum reinen Vergnügen wird. Und zur Gelegenheit, den KURS in sich selbst zu finden.

http://www.andreasproehl.com

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Margarethe Randow-Tesch hält vom Greuthof-Verlag autorisierte Seminare zum Kurs ab, die ich immer als äußerst inspirierend empfunden habe. Margarethe ist eine der Übersetzerinnen des Kurses in die deutsche Sprache, von Haus aus Lehrerin, aber seit vielen Jahren ausschließlich mit der Lehre des Kurses beschäftigt. Sie stand in engem Kontakt zu dem inzwischen verstorbenen Kenneth Wapnick, dem wohl bekanntesten Interpreten des Kurses, und hat auch seine Bücher ins Deutsche übersetzt. Sie anzuhören, ist immer eine Reise wert. Hier der Link zu der Verlagsseite, auf der sie ihre Seminartermine veröffentlicht:

http://www.greuthof.de/seminare.php

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Ich selbst beschäftige mich ausführlicher mit dem KiW auf meiner Homepage:

http://www.luftzumathmen.de

Zu den „Ergänzungen zu EIN KURS IN WUNDERN“ (Greuthof-Verlag), habe ich eine Rezension geschrieben, in der das Hauptaugenmerk auf der Frage liegt, was im Sinne des Kurses unter „Heilung“ zu verstehen ist. Dazu gibt es unter Kurslern sehr unterschiedliche Auffassungen und ich habe meine Lesart dargelegt.

http://luftzumathmen.weebly.com/auf-kurs/rezension-die-ergaenzungen-zu-ein-kurs-in-wundern

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3 Gedanken zu “Zumutung?

  1. Die für die Wahrheit Blinden heilt der Geist Christi zu solchen Sehenden, die ihr inneres Aug für die Wahrheit öffnen. Dachten wir am oder vor dem Anfange des Curses noch, die in der Bibel erzählten Wunder Christi seien Heilungen allein des Körpers gewesen, sodass blinde Körperaugen wieder vergängliche Gegenstände in der Welt des Todes sehen könnten, sind wir nun zu der Einsicht gelangt, dass die Wahrheit nicht körperlich ist. Den Blick zu Wesentlichem, mithin: Unkörperlichem, Unsichtbarem, Geistigem hin ausrichten zu können, das ist Sehenkönnen.
    Diese aufrichtig bekennende, kleine Einführung in den Curs der „Zumutungen“ mag der Beweggrund für den ersten Schritt nicht nur in ihn hinein, sondern sogar schon in ihm sein. Möge dem ihn durchlaufenden Menschen froh zu Mute werden, dass die Zumutung eine gute werde! Und frohen Fortgang euch Allen!

  2. Lieber Michael, eine schöne, ernsthaft-humorvolle und neugierig machende Einführung zum Kurs. Auch für mich ist der Kurs das Beste, was mir je passiert ist und ich bin so dankbar dafür.
    Herzliche Grüße, Katja Bode

    1. Ich bin so froh, dass du hier auftauchst, liebe Katja, vielen Dank zunächst mal für deinen netten Kommentar zu meinem Versuch, eine Nase voll Kurs zu vermitteln. Hier in diesem Blog hab‘ ich ja ganz bewusst den Kurs nicht zum Hauptthema gemacht, weil ich es so spannend finde, diesen Kurs des Lebens überall zu finden, v.a. auch jenseits der Terminologie des Kursbuches. Aber dein Auftauchen ist für mich die Gelegenheit, dein wundervolles Buch über den Kurs hier allen zu empfehlen, die vielleicht doch mal wissen wollen, was dahintersteckt und v.a. wie der Kurs das eigene Leben in Richtung immer konstanter werdender Freude und Liebe wenden kann. Also für alle, die die Theorie des ‚Kurs in Wundern‘ und die Darstellung eines ganz persönlichen Weges mit ihm kennenlernen wollen: „Abenteuer grundlos glücklich“ von Katja Bode.
      Schön, dass du da bist,
      Michael

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