Wer ist wer?

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Mein Name ist Gaston Dubois. Das ist nicht wahr. Ich habe ihn erfunden in rührend – naivem Glauben, man könne im Internet anonym bleiben, ich kann jetzt herzlich drüber lachen! Aber immerhin haben wir dadurch doch gleich schon mal ein schönes Beispiel, was Sprache alles so kann, und das kann sie besonders gut: täuschen! Wer also bin ich? Ganz und enttäuschend ehrlich: ich weiß es nicht!

Ich finde es ja schon schwierig genug, wenn ich sagen soll, was ich bin. – Aber gut, als zaghafter Versuch: Ich bin vielleicht so etwas wie ein „christlicher Alltagsphilosoph.“
„Christlich“ scheint ja klar zu sein: Ich glaube an Christus. Aber klar? Eigentlich beginnt ja hier die Unklarheit, zumindest aber die Klärungsbedürftigkeit.
„Was meinst Du damit?“, hör‘ ich also die zwingende Frage, und dann hol‘ ich noch mal tief Luft und sage vielleicht: „Ich glaube an Vergebung und Versöhnung als meinen Weg und das Erkennen des Eins-Seins allen Lebens als mein Ziel“, würde mich aber gerne an diesem Punkt bereits wieder aus der nun drohenden Diskussion über eine derart provozierende Äußerung verabschieden, weil ich finde, eigentlich schon viel zu viele Wörter gebraucht zu haben, die kein Mensch verstehen kann, am wenigsten ich selbst!

Und deswegen eben: Philosoph! Ein Philo-soph, so versucht ihm das schon der Name zu sagen, denkt über das Leben nach aus Liebe zu Weisheit und Wahrheit, oder er sollte es jedenfalls. Liebe und zu viel Theorie, Liebe und das Ausschleifen, Zurechtfräsen und Glattbürsten von Definitionen, das geht für mich ganz schlecht zusammen, da bin ich vielleicht etwas empfindlich. Für mich ewigen Anfänger ist es jedenfalls leichter, erst einmal still zu sein. Liebe zur Wahrheit  beginnt für mich damit, dass ich überhaupt bereit bin, mich etwas letzlich Unfassbarem zu öffnen, etwas Mirakulösem nicht zu verschließen, das all meine Konzepte übersteigt, sie nicht ersetzt durch immer neue, immer bessere, sondern sie mit einem Sinn erfüllt, der nicht von mir kommt.

„Dann nenn‘ mal Deine Grundidee, Du Philosoph!“, hör‘ ich dennoch die Ungeduld fragen, und ich antworte ihr, um sie zu besänftigen: „Ich gehe davon aus, dass sich keine einzige Frage dieser Welt befriedigend – also vollständig – ohne Religiosität, ohne Spiritualität beantworten lässt.“ Klingt fast wie „Wetten-dass?“, und ich würde jetzt natürlich aufgefordert werden, auf diesem angeblichen Fundament meines Denkens ein möglichst großes Gebäude zu errichten, das erst zeigen könnte, ob der Gedanke überhaupt tragfähig wäre. Dafür hab‘ ich leider keine Zeit!

Der Alltag ruft, und ich folge. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“, und will es auch!
Hier im Alltag frag‘ ich Dich, oder die Kassiererin im Supermarkt, oder das kleine Kind, das mir auf dem Weg dorthin begegnet, aber auch die Bäume, das Gras und die Wolken, die Musik und die Bilder an der Wand, den Regen und den Wind frag‘ ich, was sie von meinen Annahmen hielten, und vor allem, was das denn sei: die Wahrheit.

Letztlich zählt nur die Antwort, nicht die Frage.

Meine Erzählungen, Gedichte und Essays drehen sich um solche Momente, in denen ich die Antwort zu hören glaubte, auch darauf, wer und was ich bin – in Wahrheit. Sie sind nichts weiter als der Versuch, diese Momente erzählbar, die Erfahrung mit-teilbar zu machen.
Eine Geschichte muss ich herausheben: „Blätterrauschen“. Sie erzählt von einem Ereignis, das kurz, nachdem meine liebe Schwester Claudia – sieben Jahre ist das jetzt her – gestorben war, für mich zu einem überraschenden und unmittelbaren Trost wurde. Dieses Ereignis hat mein Leben in eben jene Richtung gedreht, von der ich hier spreche. Und ich danke dem Himmel von Herzen dafür!

Wenn Du zufällig hier vorbeikommen solltest und Anregungen hast oder Fragen, oder wenn Du vielleicht selbst auf einer eigenen Seite von ähnlichen Erfahrungen schreibst, dann lass‘ es mich bitte wissen!

Ich freu‘ mich auf die Begegnung mit Dir, bis gleich also!

Michael Feuser

24 Gedanken zu “Wer ist wer?

  1. In diesen bemerkenswerten Gedichten und Erzählungen höre ich immer wieder ein „Blätterrauschen“, das durch die losen Seiten und Buchstaben hindurchweht oder -at’met: Dies ist der Hauch des unfassbaren, ungreifbaren Lebens, das nicht nur als in bewegten Körpern als deren Eigenes zu denken ist. Das Leben lebt seinerseits und spricht mit uns.
    Sein Sprechen klingt wie ein leises Rauschen, wie ein sanfter Hauch.
    Dieser ist ’s, der im Falle des Sterbens eines geliebten Menschens dem zurückbleibenden, fragenden Liebenden zuflüstert: „Gestorben, aber nicht tot!“. Und dieser ist ’s, der einem sich Ängstenden tröstlich zuraunt: „Dein Nächster ist in der selben ungreifbaren Angst wie du, obwohl er sie mit anderen Gegenständen zu greifen versucht als du.“ Das ist die gute Botschafft, die durch die Blätter rauscht: Wir sind nicht allein. Etwas Großes umfängt uns und geleitet uns durch alle Irrsal der Welt.

  2. ich glaube an das Gute im Menschen, an die Ehrlichkeit der Kinder, und an die, die irgendwann einmal erwachsen werden und dann sagen, sie hätten ihr Leben gut gelebt. Ich glaube an die Brüderlichkeit zwischen uns Erdenbürgern und an die, die ihrer Mutter immer gedenken.

  3. Bravo, lieber „christlicher Alltagsphilosoph“, gut und verständlich geschrieben in einem sehr persönlichen Stil!
    In Deinen Erzählungen und Gedichten spürt man den christlichen Geist von Vergebung und Versöhnung und findet Trost und Hoffnung für das L e b e n inmitten von Leid und Verzweiflung. Sie geben Vertrauen auf das Unfassbare.
    Ich freue mich auf Weiteres von Dir!

    Ein eifriger Leser

  4. Werter Michael,
    ich habe Dein Blog in meine BLOGBUMMEL-Liste eingefügt, damit Dich auch meine Leser entdecken können. Da die Ordnung alphabetisch ist, steht Du GANZ OBEN 😉
    Schau doch bitte nach, ob Du mit meiner Kurzbeschreibung und dem zitierten Satz einverstanden bist oder ob ich etwas ändern oder ergänzen soll, das Dir am Herzen liegt.

    https://leselebenszeichen.wordpress.com/blogbummel-2/

    Vielleicht entdeckst Du dort auch noch neue Webseiten, die für Dich interessant sind …

    Mit verbindlicher Empfehlung 🙂
    Ulrike von Leselebenszeichen

    1. Liebe Ulrike,
      bin ganz gerührt … der Blog hätte auch „Zorro“ heißen können oder „Zaubermaus“! Ein Hoch auf das „A“!
      Und was meine Änderungswünsche angeht, du Meisterin einfühlsamer Darstellung: bitte kein Tüddelchen ändern!

      Ganz lieben Dank

      Michael

      1. Lieber Michael,
        Ehre, wem Ehre gebührt.
        Ich finde, Deine Webseite paßt hervorragend in meine unkonventionelle Blog-Sammlung und bereichert diese vorzüglich.
        Schön, daß Du mit meiner Kurzcharakteristik Deiner luftigen Webseite glücklich und zufrieden bist.
        Hocherfreute Grüße 🙂
        Ulrike

  5. Eine schöne Beschreibung und mehr als schön, die ich nun gerade wieder gelesen habe, nicht zum ersten mal…
    Doch heute hier kleine Links, da ich nicht weiß, ob du sie entdeckst und schließlich sollst du wissen, wenn ich deine Silben in Gesamtgedichte habe einfließen lassen.
    Ich grüße den Mann der wunderbaren Silben herzlich, Marion

    https://mbeyersreuber.wordpress.com/2015/06/01/auszug-findesatz-kommentare-juni-2014/
    https://mbeyersreuber.wordpress.com/2015/07/01/auszug-findesatz-kommentare-juli-2014/
    https://mbeyersreuber.wordpress.com/2015/08/05/auszug-findesatz-kommentare-august-2014/
    https://mbeyersreuber.wordpress.com/2015/09/02/auszug-findesatz-kommentare-september-2014/

  6. Mensch, schreibst Du schön! Vielen Dank an Ulrike Sokul, durch sie hab ich Dich gefunden. Und irgendwie auch ein Glück, ich meine das mit deiner Bandscheibe, auch wenn es natürlich schmerzhaft und unangenehm ist, doch Dein Erlebnis mit dem Zweig, das wär‘ Dir vielleicht, so ganz ohne, entgangen. Alles Gute für das Neue Jahr!

    1. Ich hab‘ ja unter anderem auch viel Nettes schon gehört zu meinen Versuchen, den Buchstaben etwas Leben einzuhauchen, aber „Mensch, schreibst du schön!“ gehört zum Allerfeinsten, was mein Herz in dieser Hinsicht bislang erwärmt hat! Herzlichen Dank dafür und ja: niemand würde sich irgend ein Leid freiwillig aussuchen, aber wenn es einem zu-fällt, dann hat man wie immer und wie mit allem die Wahl: öffne ich mich für die Wunder auf meinem Weg oder halte ich Anklage, Angriff und Verteidigung als „Heilmittel“ die Treue. Jederzeit, immer wieder: das ist unsere Wahl. Liebe oder Angst.

      Ich danke dir von Herzen, kenne dich auch schon vom Bücherfeenblog der famosen Ulrike Sokul und sage

      Willkommen „on air“ und auch dir von JETZT nach JETZT einen guten Übergang und ein wahrhaft Frohes Neues Jahr!

      Michael

    1. Herzlichen Dank, liebe Hanna-Linn, für deine freunlichen Worte!
      Wir sind ja alle Philosophen, indem wir lediglich eine Anschauung von uns selbst und von unserer Welt haben, die sich beim besten Willen nicht ohne Zweifel objektivieren lässt, geschweige denn verabsolutieren. Also tragen wir automatisch unsere Version von dem, was wahr sei, allen anderen an, auf dass sie sie bestätigen. Und wenn das schon so ist, wie es eben ist, dann ist die „Menschenfreundlichkeit“ einfach ein genialer Trick, so etwas wie einer gemeinsamen Wahrheit näher zu kommen.
      Wie mir scheint, so nach dem ersten Überfliegen deiner Seiten, legst du da einen ähnlichen Hinterhalt für deine Leser, wenn auch entschieden explosiver als ich hier! Ist aber ja egal, wie die Falle der Freundlichkeit aussieht, Hauptsache, wir tappen rein! 🙂
      Und am Ende liegen wir uns alle in den Armen und heulen vor Glück!

      Willkommen „on air“,

      Michael

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